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Spiritualität und Weltgestaltung, 11.10.2012
Die Kirchen 50 Jahre nach dem 2. Vatikanischen Konzil – Bilanz und Perspektive
G. Lämmlin

Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung aus Anlass der Eröffnung des Zweiten Vatikanische Konzils am 11.10.1962 mit Prof. Dr. Peter Walter und PD Dr. Gregor Etzelmüller konnte die große Bedeutung des Konzils für die gegenwärtige Situation der Katholischen Kirche und seinen Einfluss auf die Weltentwicklung und die ökumenische Bewegung seither deutlich machen.

Prof. Walter aus Freiburg konnte schon mit der eingangs erzählten Anekdote, wie er in seiner Jugend die Papstwahl von Papst Johannes XXIII. 1958 erlebte, die Situation und Atmosphäre der  50er-Jahre illustrieren. Auf dem Dorf in Rheinhessen wurde in seinem Elternhaus das Radio laut aufgedreht, um den Segen des neu gewählten Papstes zu übertragen: Und die Leute auf der Straße hätten sich hingekniet, um den Segen zu empfangen! Mit dem neuen Papst wurden, wie er zur Eröffnung des Konzils selbst sagt, die Fenster zur Welt und zur Zukunft weit aufgestoßen, Johannes XXIII. war an einer gemeinsamen synodalen Entscheidung über den Weg der Kirche in die Zukunft gelegen, sein Ziel dabei war es, die Einheit der Christen wieder zu gewinnen. Auch wenn dieses Ziel (bisher) nicht erreicht wurde, ist es dem Konzil, auch durch die Initiative der Konzilsväter über den vorgegebenen Rahmen hinaus, doch gelungen, Impulse für eine ökumenische und gesellschaftliche Öffnung der katholischen Kirche zu geben. Nicht zu unterschätzen sei das Konzil auch als ein Ereignis der weltweiten Kirche, bei dem ehemalige Kriegsgegner nun zusammen an einem Tisch saßen - wie zum Beispiel der deutsche Kardinal Volk und der polnische Weihbischof Wojtyla (der spätere Papst Johannes Paul II.). Und wesentlich war  auch, dass sich in der gottesdienstlichen Liturgie der neue Geist der tätigen Teilnahme des Kirchenvolkes durchsetzen konnte.

PD Etzelmüller aus Heidelberg ergänzte aus evangelischer Sicht vor allem den Gesichtspunkt des ökumenischen Lernens aus der Schrift, d.h. dem Studium der biblischen Texte, und die weltgesellschaftliche Bedeutung des Konzils, die er darin gegeben sah, dass infolge des Konzils eine 3. Demokratisierungswelle seit den 70er-Jahren auch die ehemals katholisch geprägten Gesellschaften Portugals, Spanien, Lateinamerikas und Polens erfasst habe, verbunden mit einer allgemeinen Bewegung zur Stärkung der Menschrechte. Wenn Prof. Walter aus katholischer Perspektive in der Ökumene vor allem die Ausrichtung auf das verbindend Christliche (anstelle von konfessioneller Profilierung) als zentrale Aufgabe sah, so konnte er dabei auch auf das ökumenische Modell der versöhnten Verschiedenheit zurückgreifen, das die gegenseitige Anerkennung auch bei der Feststellung bleibender Differenzen in den Mittelpunkt stellt. So wurde am Ende zwischen evangelischer und katholischer Perspektive eine gemeinsame Basis greifbar, auf der das Ringen um ökumenische Einheit eine verheißungsvolle Aufgabe sein kann.

PD Dr. Gregor Etzelmüller, Das Zweite Vatikanische Konzil – eine Würdigung aus evangelischer Sicht (Vortrag 11.10.2012)